"unstopable" nach Dakar

Nach einigen Tagen in der Zebrabar in St. Louis machen wir uns heute auf nach Dakar. Das Carnet muss gestempelt werden. Auf IOverlander finden wir die Koordinaten. Wir fahren früh los, als mich eine Nachricht von Marta und Bartek erreicht, die wir schon in Marokko kennengelernt hatten. Sie warnen uns vor einem korrupten Polizeistop, der kurz hinter der nächst größeren Stadt lauert. Die Zwei berichten, dass die Beamten gerne Touristen anhalten und nach einem Vorwand für eine Strafe suchen. Bei unseren Reisefreunden war es wohl die Versicherung, die angeblich nicht gepasst haben soll. Sie seien aber standhaft geblieben und hätten die Situation ausgesessen. Ich bin etwas beunruhigt, obwohl ich schon einiges zum Thema Korruption in Westafrika recherchiert hatte. Innerlich fühle ich mich vorbereitet, aber eine Restunsicherheit bleibt. Auf IOverlander lese ich ähnliches und genau dieser Posten ist entsprechend mit einer Warnung markiert. Ich informiere Stephen, der mit seinem Toyota hinter uns fährt über Funk, dass es bald spannend wird und er sich warm anziehen soll. So fahren wir weiter immer in Richtung Dakar. Es herrscht viel Verkehr und wir kommen diesem Checkpoint immer näher, als ich vor uns Dana und Frank mit Ihrem alten LKW entdecke. Sie fahren kurz nach uns von der Zebrabar abgefahren. Als wir uns dem Posten nähern wird wie erwartet Frank in seinem rechten LKW zur Seite gewunken. Als Frank rechts rüber zieht, und der Polizist schon auf dem Weg zum LKW ist, bekommen auch wir das Zeichen ranzufahren. Peter reagiert in diesem Moment vermutlich spontan und tritt kräftig aufs Gas, ich muss lachen als ich im Rückspiegel sehe, dass auch Stephen durchfährt. Es wird  plötzlich laut, der Polizist schreit und ich höre noch wie er uns mit seiner Pfeife an trillert. Aber nach vorne ist freie Fahrt und wir bleiben auf dem Gas. Peter johlt plötzlich los und schreit, dass auch Frank wieder Gas gegeben hat, in dem Moment, wo der Polizist durch unsere Aktion abgelenkt war. Wir toben vor Freunde und können es gar nicht fassen. Partystimmung kommt auf. Der Funk glüht und auch nach einigen Kilometern keine Polizei im Rückspiegel. Also so läuft das halt in Afrika 1:0 für uns. Wir setzten unsere Fahrt fort und schaffen es noch vor der Mittagspause zum Zoll, wo wir das Carnet abstempeln lassen. Die Fahrt durch Dakar gestaltet sich abenteuerlich, zunächst geht es noch über die gut ausgebaute Autobahn, aber das Chaos nimmt seinen Lauf auf den letzten 5 Kilometern. Afrikanischer Verkehr pur. Jeder fährt da wo er will und kann, aber irgendwie haben wir den Eindruck, dass es gewisse Regeln gibt. Peter bleibt cool und fährt seinen Stiefel runter wie immer, allerdings ist Stephen sichtlich gestresst und betont, dass er überhaupt keinen Bock mehr hat, als wir am Zoll ankommen. Ich bleibe bei den Autos als die Männer in das Zollgebäude gehen, nach 10 Minuten wundere ich mich, dass sie wieder da sind. Ging doch alles recht schnell. Auch Dana und Frank treffen wir wieder und wir witzeln noch über unser Durchfahraktion am Polizeiposten. Wir beschließen am Lag Rose etwas außerhalb von Dakar zu campieren und organisieren uns für den nächsten Tag einen Fahrer, der uns wieder nach Dakar bringt. Stephen benötigt noch Autozubehör und auch sonst wollen wir die Stadt etwas entspannter erkunden. 

 

Vom Rücksitz des Taxis erscheint uns Dakar am nächsten Tag viel angenehmer, leider spricht unser Fahrer nur französisch und die Verständigung nimmt etwas Zeit und Geduld in Anspruch. Peter und ich sind von Dakar sehr beeindruckt. In vielen Reiseberichten wird die Stadt als Moloch bezeichnet. Ca. 5 Mio Menschen leben in der Stadt und die Umweltverschmutzung durch den Verkehr ist enorm. Eine typische afrikanische Stadt denke ich noch. Es ist laut, chaotisch, extrem viele Menschen auf der Straße, wir sehen Müll und viel Schwerverkehr auf den Straßen. Ich habe noch nie so viele verschiedene Geräusche auf einmal gehört, auch die Gerüche sind anders und ungewohnt. Die Stadt ist jedoch pulsierend und lebendig. Nichts steht still, alles ist in Bewegung und trotzdem alles im afrikanischen Tempo. Als wir durch die engen Gassen der Medina laufen spüre ich gar keine Hektik und Aggressivität wie ist das aus München kenne, wenn es Ion der Stadt voll ist. Wir lassen und treiben und werden ein paar mal von fliegenden Händlern angesprochen, die ich jedoch recht einigermaßen gut wieder loswerden kann. Ich spüre das Peter und Stephen etwas genervt sind, lasse mich aber nicht anstecken und bleibe dabei mit den Händlern ein kurzes Wort zu sprechen, sie nicht zu ignorieren. Ich bleibe freundlich, lehne aber das Angebot dankend ab, wenn ich etwas nicht brauche. Meine Taktik gestaltet sich recht unproblematisch und ich bekomme sogar ein Armband gratis als Geschenk für den netten Plausch. Schon in Mauretanien war mir das passiert. Vermutlich ist es in Afrika einfach üblich kurz zu sprechen und wenn man etwas wirklich nicht kaufen möchte, wird es auch am Ende so akzeptiert. Ich stelle eher fest, dass es die Menschen gar nicht mögen, wenn man sie wortlos ignoriert. In Marokko hat das in den Touristenvierteln von Marrakech durchaus zum Erfolg geführt, aber hier entscheide ich mich für die andere Variante und bin dadurch viel entspannter unterwegs. Als wir am Abend wieder zum Camp kommen sind wir alle erledigt. Dakar hat an uns gezerrt und uns doch einiges abverlangt