Offroad und nächtlicher Mechanikerüberfall

Ursprünglich hatten wir geplant von Merzouga nach Zagora über die N12 zu fahren. Früher war dies wohl auch noch eine Piste, welche aber nun seit einigen Jahren asphaltiert ist. Aber ich lese im Reiseführer eine Pistenvariante auf halber Strecke. Peter ist gleich Feuer und Flamme. Wir geben noch am Abend die wesentlichen Waypoints in die Navigation ein, da wir keinen Pistenkuhtrack finden können. Es geht zunächst gemütlich über die N12 unspektakulär in Richtung Zagora und biegen erst im Dorf Mssici auf eine gut zu fahrende Schotterstraße ab, die bis Fezzou führt. Als wir dort ankommen können wir jedoch keine Piste finden, wir sehen zwar das Schild, welches nach Zagora führt, aber wirklich eine nennenswerte Piste oder Pfad will uns nicht ins Auge springen und so folgen wir etwas gefrustet den guten Weg durch den Ort. Doch so schnell wollen wir nicht aufgeben, drehen und treffen im Ort einen jungen Mann, der uns sogar im guten Englisch den Weg auf die Piste nach Zagora erklärt. Wir folgen einem kleinen Pfad durch kleine Gartenparzellen der Einheimischen und sehen irgendwann die Hauptpiste, die wie beschrieben an der Hochspannungsleitung entlang führt. Wir scheinen auf dem richtigen Weg zu sein, leider freuen wir uns zu früh und verirren uns in einem kleinen Flussbett. Aber Marokko ist nicht Marokko, wenn nicht in solchen Momenten wieder ein Local auf seinem Moped aus dem Nichts auftaucht und den Weg kennt. Ich wundere mich immer wieder und frage ihn nach dem Weg. Er bietet mir an uns die Einfahrt auf die richtige Piste zu zeigen uns fährt voraus. Tatsächlich kommen wir nach kurzer Zeit wieder auf die richtige Piste, wir bedanken uns mit ein paar Dirham für seine Dienstleistung, er strahlt und wünscht uns freundlich eine gute Reise nach Zagora. Die Piste ist unproblematisch zu fahren und zieht sich immer mehr ins einsame Hinterland. Ruhe und Entspannung kehrt zurück und wir fühlen wieder eins mit der Natur.  So fahren wir ca. 80 km durch eine wunderschöne Landschaft. Im Reiseführer lese ich, dass wir ein Minengebiet passieren. Aber auch dass ist schnell gemeistert und wir treffen nur auf einen MienenLKW, der uns noch den Weg auf die bessere Piste mitteilt. Wir folgen seiner Empfehlung und biegen auf die linke Piste ab, die uns auf einen Pass bringt. Die Landschaft wird wieder schöner und die Fahrerei rauher. Es dämmert schon, aber wir beschließen bis Zagora durchzufahren, da sich kein guter Standplatz auftun will. Als wir nach einer guten Zeit wieder auf die N12 einbiegen ist es fast dunkel. Mir ist etwas unwohl, da wir wieder mal gegen den wichtigen Grundsatz verstoßen, in der Dunkelheit nicht zu fahren. Peter sitzt mittlerweile wieder am Steuer und fährt sehr moderat, ich versuche den Straßenrand rechtzeitig nach Personen und Tieren abzuscannen, aber alles läuft gut, es ist kaum Verkehr. Wir nähern uns Zagora und Peter sieht plötzlich einen weißen Landy links in einem Feldweg nahe der Straße stehen. Wir wundern uns noch, fahren aber ohne Nachzudenken weiter. Nach kurzer Zeit bemerke ich, dass ein gut beleuchtetes Auto mit ausreichendem Abstand hinter uns fährt. Wir bemerken beide nicht, dass es der Landy ist. Kurz vor Zagora überholt er uns plötzlich und blinkt uns mit seinem Rückscheinwerfer an. Wir fahren wie üblich ruhig weiter. Als wir in Zagora eintreffen, fährt neben uns ein junger Kerle auf einen Moped und erzählt was von „Garage“. Wir sind leicht genervt, da wir uns auf den Weg zum Camp konzentrieren müssen. Wir fahren immer weiter in die Stadt und ich sehe, dass das Moped und jetzt auch der Landy uns folgt. Erst als wir anhalten erkennen wir Jaboud und Omar, die Jungs von der Werkstatt unseres Vertrauens in Zagora. Wir lachen und begrüßen uns herzlich. Hätten wir gewußt, dass es Jaboud ist. Wir sagen ihnen , dass wir eh am Morgen vorbei schauen wollen, aber jetzt schlafen werden. Am nächsten Morgen stehen wir wie geplant bei Jaboud vor der Werkstatt. Wir bitten ihn eine kleine Durchsicht zu machen, ob alles noch in Ordnung ist, sagen ihm aber nichts von den uns bekannten Mängeln. Tatsächlich findet er alles, was wir im Kopf haben. Perfekt und er bekommt den Auftrag alles zu richten. Die Jungs machen sich unmittelbar an die Arbeit und gefühlt ist die Vorderachse in Sekunden zerlegt. Wir sind wieder mal über überwältigt von dem Talent der marokkanischen Mechaniker. Jedes Teil wird gesäubert und fein zerlegt. Unsere Achskugeln werden komplett erneuert und auch das Differenzial wird überholt. Einen ganzen Tag und eine ganze Nacht arbeiten sie am Landy. Sogar Folien zur Verdunkelung der Scheiben baut Jaboud uns ein. Ich bin glücklich und auch Robbie sieht damit obercool aus, so mag ich unseren Landy. Ich muss grinsen. Irgendwann am Abend verlassen wir die Werkstatt in Richtung Camping, wo unser Zelt auf uns wartet, welches wir für diese Fälle mitgenommen hatten. Am nächsten Morgen trudeln wir am frühen Nachmittag wieder bei Jaboud ein, Robbie steht gewaschen und glücklich  draußen vor der Werkstatt. Perfekt und auch preislich passt es. Wir hatten mit sehr viel mehr gerechnet, aber Jaboud erzählt uns später, dass die Preise in Marokko sehr viel unter dem Niveau europäischer Werkstätten liegt und sie sich darauf spezialisiert haben für europäische Kunden zu schrauben. Qualität, Preis und Freundlichkeit stimmen.