Auf Krawall mit der gambischen Polizei

Heute wollen wir in Richtung Gambia und entscheiden uns am Morgen früh in Richtung Karang aufzubrechen. Die nächste afrikanische Grenze steht an. Wir sind schon gespannt was uns hier erwartet. Die Ausreise aus Senegal klappt ohne Probleme. Das Carnet für Robbie und auch unsere Pässe werden ohne Zicken ausgestempelt. Danach fahren wir ein Stück weiter vor und werden am gambischen Grenzposten auf den Parkplatz gewunken. Wie an afrikanischen Grenzen üblich werden wir sogleich von Obstverkäuferinnen und Geldwechslern überfallen. Ich bin noch nicht ganz aus dem Auto und es stehen 4 Leute um mich herum. Das ist Afrika, ich muss grinsen. Ich lasse mich nicht drängen, werfe aber wie üblich einen Blick auf die angebotenen Lebensmittel, gebe ein kurzes Lob ab über die Ware, sage aber freundlich, dass ich zunächst die Formalitäten erledigen will. Deswegen sei ich ja auch hier. Es funktioniert und man lässt von mir ab. Bei der Einreise holen Peter und ich uns das Visum ab, für Deutsche kostenlos, wir nehmen Platz im Büro des Officers und er fängt an uns all diese Fragen zu stellen und zu erzählen. Deutschland ist so toll, wie das Wetter dort ist und wohin wir reisen wollen, wie uns Afrika gefällt, und Gambia sei das schönste Land Afrikas…Ich habe das Gefühl, dass wir immer eine willkommene Abwechslung sind, um einen Plausch zu halten, um den langweiligen Alltag der Zollbeamten aufzumuntern. Innerlich muss ich über beide Ohren grinsen, denke mir, gib mir endlich das Visum, ich bin Deutsche, ich will weiter, aber nein, in Afrika wird erst geredet, wir haben sie Uhren, sie die Zeit….ich bleibe nach außen korrekt und respektvoll. Es wäre fatal einen afrikanischen Beamten nicht ernst zu nehmen. Eine kleine Weile vergeht und dann haut er seinen Stempel in unsere Pässe und wünscht uns eine wunderschöne Reise. Spaß hat es mal wieder gemacht. Stephen sitzt mittlerweile in einem anderen Raum, er ist ungarischer Staatsbürger und muss 60 Euronen für das Visum hinblättern. Da der Beamte uns gleich mit ins Büro bittet, kann ich an Stephens Mine erkennen, dass er gewaltig angefressen ist, als der Beamte ihm mitteilt, dass Deutsche den Stempel für lau kriegen. Wir schleichen einen Gang weiter und finden uns im nächsten Büro wieder, wo wir unsere Carnets gestempelt bekommen. Kurz und schmerzlos denken wir noch, aber haben nicht Rechnung noch nicht mit der Polizei gemacht. Auf dem Weg nach draußen werden wir am Eingangscounter von einem Polizisten angesprochen, er müsse noch mal das Carnet stempeln und dies würde 20 Euro kosten. Peter schüttelt den Kopf, nimmt im gleichen Moment das Carnet wieder an sich und erklärt dem Beamten, dass er nicht zahlen werde. Die Stimmung des Beamten sinkt in den Keller, Peter bleibt standhaft und sagt, dass er nicht zahlen werde und wir verlassen das Gebäude. Nichts passiert wirklich, ich höre nur noch einen motzenden Polizisten. Als Stephen auf dem Weg nach draußen ist, werfen wir ihn auf Deutsch noch schnell zu, dass er den Stempel nicht bezahlen soll. Stephen versteht, diskutiert und versichert dem Beamten, dass er den Stempel nicht haben will, wenn er dafür zahlen muss. Auch er verlässt das Büro mit dem umgestempelten Carnet. Als wir wieder am Auto stehen sagt er, dass man uns an der nächsten Kontrolle nicht durchlassen werde, wenn das Carnet nicht gestempelt ist. Wir steigen ein und fahren los. In der Tat werden wir angehalten und Peter ist sichtlich auf Krawall gebürstet. Der Polizist am Checkpoint will Pass und Carnet sehen. Peter weigert sich, die Originaldokumente aus der Hand zu geben, als er sich dann noch weigert von der Straße zu fahren, erhitzt sich die Situation. Die Stimmung wird unfreundlich, auch Stephen gerät mit dem Beamten in Streit. Da wir es nicht überziehen wollen geben wir unsere eingeschweißten Kopien raus, Führerschein, Pass und Fahrzeugschein. Der Beamte verklickert uns, dass Stephen nicht ohne Stempel durch den Posten kommt, nimmt unsere Kopien und geht weg. Ich werde etwas nervös und entschließe mich zu ihm zu gehen, um noch mal mit ihm zu sprechen. Zunächst ist er unfreundlich, aber als ich ruhig bleibe ändert auch er seinen Ton. Ich sage ihm, dass wir zurück zur Grenze fahren und dort den Stempel holen und dann unsere Unterlagen wollen. Er geht darauf ein, wir drehen um, fahren nochmal zur Grenze. Dieses mal gehen nur Stephen und ich zurück zur Polizei und beschweren uns und bitten nochmals um den Stempel, aber ohne zu bezahlen. Ich nutze den Frauenbonus und erkläre selbstbewusst, dass es international nicht üblich sei für einen Stempel zu bezahlen, ggf. nur für ein Visum und das hätten wir korrekt, Stephen mit und wir, ohne Bezahlung bekommen. In keinem Land hätten wir gezahlt und ich zähle einige afrikanische Länder auf als der Beamte einknickt und sagt, dass wir doch eine kleine Spende geben könnten, wenn wir das wollen, stempelt das Carnet und gibt es Stephen zurück. In dem Moment schaltet Stephen sich ein, verneint und geht mit ernster Mine. Er ist sichtlich angefressen. Als wir wieder zum Polizeiposten kommen, steigen Stephen und ich aus, zeigen die Carnets vor und bekommen unsere Unterlagen nach Zahlung einer keinen Strafe zurück. Uns wird vorgeworfen „obstructing“ gewesen zu sein und dürfen uns noch eine gewaltige Standpauke anhören. Ich beiße mir auf die Lippen, muss innerlich schon wieder lachen. Wie geil, ein Strafzettel wegen Bockigkeit in Afrika. Der Beamte erklärt mir aber noch einen bedeutenden Unterschied zwischen mir und Peter. Ich wäre normal, aber der Mann in dem Defender wäre total verrückt, es sei sein Strafzettel. Was für eine geile Reiseerfahrung. Schade zwar ums Geld, denke ich mir, hätte ich eine gute Biersause vom bezahlen können. Vermutlich werden der Beamte und sein Kollege heute Abend einen drauf machen, sei es drum. Ich buche das Erlebnis als Testreihe ab, jetzt kann ich wieder ein Stück mehr abschätzen wie es hier so läuft. Stephen ist gleicher Meinung und als wir zum Auto laufen, können wir uns einen Lacher nicht verkneifen. Peter und ich diskutieren noch eine Zeit über das Erlebte  bis wir dann kurze Zeit später am Mr.B´s Hippe Camp ankommen.