Afrika hat uns wieder

Wir starten zeitig in Richtung Algeciras und fahren ohne Probleme auf die Fähre. Die Überfahrt ist easy und in einer Stunde schnell gemacht. In Ceuta angekommen ist der Weg zur Grenze nicht weit. Wir folgen den Schildern und bald können wir den Grenzbereich erkennen. Alles wirkt auf mich plötzlich chaotisch und auch dreckiger. Menschenmassen bewegen sich zwischen den Grenzhäuschen. Bei meinen Recherchen hatte ich gelesen, dass viele Marokkaner in Ceuta arbeiten und dort zum Einkaufen gehen. In der Tat sehe ich fast unzählige Menschen, die mit Beuteln und Plastiktüten bewaffnet sind. Viele Frauen mit Kopftüchern und Männer mit dem typischen marokkanischen Kleidungsstil. Um uns herum nur Mopeds und Uraltautos, die bis unters Dach vollgepackt sind. Ich muss schmunzeln und ja, Afrika hat uns bald wieder.

 

Wir reihen uns in die Schlage der Wartenden Fahrzeuge und Mopeds ein und rücken nur langsam vorwärts zur Ausreise. Ich erkenne auf der Seite, die besagten Zäune, mit Stacheldraht gesichert, teilweise schon eingedrückt und auch löcherig. Hinter dem Zaun sehe ich umher wuselnde Frauen, Kinder, Männer, es liegt viel Plastik herum. Ich empfinde die Gegend zwar etwas usselig, aber die Stimmung ist nicht wirklich aggressiv oder gar gefährlich. 

 

Allerdings sehen wir viel Polizei mit angespannten Gesichtern. Ich vermute, dass sie gestresst sind das Durcheinander unter Kontrolle zu halten. Sie sind zwar unbewaffnet, haben aber gewaltige Schlagstöcke in der Hand und ich sehe wie eine kleine Gruppe plötzlich barsch angefahren und zurückgedrängt wird, der Polizist hebt leicht bedrohlich den Stock, schlägt aber nicht zu. Als ich auf die rechte Seite zum Zaun schaue, beobachte ich, wie Menschen immer an einer Stelle durch den beschädigten Zaun nach Europa kriechen. Peter und ich witzeln noch darüber als das Durchschlüpfen kurz danach von einem Polizisten entdeckt wird. Er wird wütend und schickt die kleine Gruppe nach Afrika zurück. Selbst die Menschen, die schon in Europa waren, müssen zurück durch den Zaun nach Afrika. Also Einreise nach Europa nur an der Grenze und das heißt also anstellen und warten. Es ist interessant das Geschehen an der Grenze zu beobachten, während wir Stück für Stück vorrücken. Allerdings sind keine Menschen zu sehen, die auf den Zäunen hängen. Alles wirkt eher ruhig und ich empfinde die Situation an der Grenze mehr afrikanisch-geschäftig, vielmehr Pendler, die Ihre Einkäufe und Waren hin und her bewegen. 

 

Als wir uns der Ausreise nähern, schickt uns die Polizei auf die rechte Seite, wir fahren an der langen Schlange vorbei bis vor zur marokkanischen Grenze. Unsere Ausreise ist mit einem kurzen Blick in den Pass erledigt. Ich denke in diesem Moment, wieder mal Glück gehabt auf dem richtigen Kontinent geboren worden zu sein. Auch an der marokkanischen Grenze ist alles recht schnell erledigt, wir werden eingestempelt und auch die Einreise für das Auto ist ohne Probleme erledigt. Ein sogenannter Grenzhelfer versucht sich noch ohne Erfolg Peter aufzudrängen. Irgendwann gibt er aber auf und zieht davon. Auffällig ist nur, dass wir die einzigen Europäer sind, die an diesem Tag, zu dieser Stunde ausreisen und einreisen. Vermutlich wird diese Grenze mittlerweile gemieden. Auf der anderen Seite sehen wir die Schlange, die nach Spanien einreisen will und wir beschließen in diesem Moment uns dies bei einer Einreise nach Europa nicht anzutun und eher über Tanger Med auszureisen, ohne Gefahr zu laufen einen blinden Passagier am Auto zu haben. 

 

 

Ich rede noch kurz davon und als wir über die Grenze fahren, haben wir bereits einen Mitfahrer an der Heckleiter. Ich drehe mich um und sehe einen kleinen Jungen, der seinen Spaß hat. Ich bin weniger erfreut und fordere Peter auf die Geschwindigkeit zu reduzieren, damit er abspringen kann. Als Peter dann hält und gleichzeitig hupt und ich im Begriff bin auf die Straße zu springen, ist er auch schon davon. Ich witzel noch über mich selbst, hätte definitiv Spaß daran gehabt den „bad guy“ mit deutschem Untertitel zu spielen. Aber ich komme nicht in den Genuss mein Temperament zu zeigen und bin froh, dass der Junge unversehrt geblieben ist. Denn wäre ihm etwas passiert, hätten wir definitiv ein großes Problem gehabt. Aufgrund meiner Recherchen waren wir gut vorbereitet und weise gleich zu stoppen. Alles noch mal gut gegangen wir sind wieder in Afrika. Als wir zur Stadt raus fahren, wird es ruhiger. Der unaufgeräumte Grenzort wechselt in eine typische marokkanische Stadt. Wir entspannen uns und fahren raus in Richtung Martil, wo wir den dortigen Campingplatz anfahren. Handy aufladen, Tour planen und Brot kaufen steht auf dem Programm. Als wir am Abend durch den Badeort schlendern erfreuen wir uns wieder an dem typischen marokkanischen Leben. Wir sind zur dieser Zeit die einzigen Europäer auf der Straße, was uns allerdings keine Probleme macht. Wir fühlen uns wie beim ersten Besuch wohl und auch sehr willkommen.