Das nennt man wohl „anreisen“

Wir sind nun herrliche 3 Tage am Strand in der Nähe von Tiznit. Wir genießen das Rauschen des Meeres auch wenn es noch etwas frisch ist. Das Wetter ist zum allerersten Mal ganz nach meinem Geschmack, am Tag schön warm, viel Sonne und blauer Himmel. Wir lassen uns mehr oder weniger in den Tag fallen und nutzen die Zeit zum „Arbeiten“. Wäsche muss gewaschen werden, Robbie wird etwas gepflegt, auch recherchieren wir viel und ich arbeite die Karte nach neuen Routen in Richtung Süden aus. Peter dokumentiert die bisherige Runde auf google maps und auch besprechen wir weitere kleine Modifikationen, die wir noch am Auto vornehmen möchten. Alles vielleicht Schnick-Schnack, aber es muss für uns halt passen und gemütlich sein. Auch mein Packkonzept werde ich nochmals anpassen. Bislang bunkerte ich einen Teil meiner Kleidung in Müllsäcken, die aber nur noch in Fetzen aus den Schränken hängen. Hatte ich doch gedacht, damit minimal klar zu kommen, da ich im Vorfeld einfach keinen Bock hatte, Geld für vernünftige Packsysteme auszugeben. Aber so bin ich manchmal und nun arbeite ich mit den Fetzen weiter. Dank vorbildlichem Wlan-Anschluss auf dem Campingplatz ist alles schnell bestellt. Unter anderem auch kleinere Ersatzteile, die wir mitnehmen wollen und sonstige Helferlein. Ich denke wir werden noch viele Dinge ändern und anpassen, allerdings sind wir der Meinung, dass man sich einreisen muss. Wir sind Beginner, was das weltweite Langzeitreisen angeht. Aber das waren alle mal und aus vergangenen Offroad und Rucksackreisen wissen wir, dass sich Themen immer irgendwie lösen lassen, mit einem langen Atem, Geduld und im echten Notfall auch mit der Kreditkarte oder mit einem Rückflug. Wir werden unsere Erfahrungen machen bzw. haben wir in dieser kurzen Anreisezeit in Marokko schon einiges testen können. Eine Woche mit Fieber und Grippe im Dachzelt, Flucht ins Hotel zum Auskurieren, sintflutartige Regenfälle und Unwetter, so dass wir feststellen konnten, ob das Material halbwegs hält inkl. Regenschutz durch unsere 270 Grad Markise, dann Test unseres SAT Phones in der Wüste, funktioniert auch wunderbar, und als Topping dann noch Robbies Werkstattschlaferei, eine Nacht mußte sie dort ohne uns verbringen, aber sie hat die OP wunderbar überstanden. Es funktioniert immer irgendwie und Marokko bietet sich wunderbar an, das alles etwas zu testen. Vorbereitung für kommende Tage on the road. 


Von Andreas & Ute, zwei sehr erfahrene Reisende, die schon seit 2002 mit ihrem Buschtaxi unterwegs sind, haben wir wertvolle Tipps bekommen und in den letzten 2 Tagen auch sehr schöne Gespräche gehabt. Immer wieder toll, andere Leute zu treffen, sei es in der Wüste oder auf dem Campingplatz.  

Als Offroad-Reisender ist man eh etwas unter sich, viele Camper sind in Marokko mit dem Wohnmobil unterwegs, da die Straßen hervorragend ausgebaut sind, zwar sehr zum „Leidwesen“ für uns, aber ein Glück für die lokale Bevölkerung. Uns ist eh aufgefallen, dass Marokko sich sehr im Bauboom befindet, sehr viel Straßenbau und auch Wohngebiete werden immer besser angebunden an die lokale Versorgung, selbst sehr ländliche Gebiete. 


Die nächsten 2 Wochen werden wir uns mehr und mehr an der Küste entlang bewegen, morgen noch etwas weiter runter in Richtung Süden, dann aber wieder in Richtung Essauira und immer weiter nordwärts bis nach Tanger Med von wo wir am 7.April die Fähre in Richtung Genua nehmen werden. 


Erst dann erwartet uns der zweite Teil der Reise. Marokko war die Tour zum „anreisen“ „testen“ und „weg vom Winter“. Jetzt werden wir noch einmal nach München kommen, um unseren Wohnsitz komplett aufzulösen. In den letzten Tagen habe ich viel über mein vergangenes Leben nachgedacht und es nochmals bestätigt, dass es der richtige Schritt war. Nicht an alten Dingen festzuhalten, sondern nur an Familie und Freunde und auch den Mut zu haben, nicht immer geradeaus zu fahren, links und rechts befinden sich oft die schöneren und interessanteren Strecken des Lebens. Aber jeder muss sein Leben für sich finden und ich denke gerade an einen schönen Satz, den ich vor einigen Tagen auf der Seite einer FB-Freundin gesehen habe, die richtigerweise erkannt hat, dass „wer wirklich das eigene Leben geniessen will, muss akzeptieren, dass er vieles andere verpasst..“ In diesem Sinne....stay tuned with us. 

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