Wo ist Afrika - hier in Duisburg Ruhrort

Die Weltreise startet definitiv heute schon in Duisburg Ruhrort. 


...dies ist so ein Abend, der im Leben einfach festgehalten werden muss. Wir sind heute in Duisburg, um Peters Vater auf der Intensiv zu besuchen. Eigentlich hatten wir uns nix größeres erwartet. Was soll man auch schon in Duisburg, einer der ärmsten Städte Deutschlands erwarten. Für zwei Tage haben wir uns bei Patrizia und Roman über RB&B eingebucht. Wir laufen mit Sack und Pack von der Herzklinik zu unserer Gastgeberwohnung. Ca. 3,7 km durch eher hässliche Gegenden und Industriebrachen. Peter und ich haben wieder nach einigen Wochen unser praktisches Trailpunkz Overlanding Outfit angelegt. Wir sind wie immer dann tiefschwarz und reisetauglich gekleidet, ich fühle mich irgendwie stets dann etwas abgerissen, aber nicht wirklich unwohl, wir passen eigentlich optisch super in diese urbane, triste, abgegriffene, aber liebenswerte Gegend hinein. Kein Münchener stylischer Schick, wir sehen völlig simpel und angepasst aus mit unserer tiefschwarzen Kleidung. Wir tauchen irgendwie ein und nicht wirklich fremd. 


Wir stehen plötzlich in einen typischen Ruhrgebietshinterhof vor dem Zugang, zur Wohnung. Über viele Stufen steigen wir hoch in dem 4. Stock. Wir fühlen uns sofort willkommen bei Patrizia und Roman. Eine wirklich schöne und liebevolle Wohnung finden wir vor und ich sehe sofort, dass hier ehrliche Menschen wohnen. Roman ist sogar ein alter Punkrocker, also was will man mehr als TrailPunk. Unser RB&B ist ein schönes, geräumiges Zimmer mit Doppelbett, sonst teilen wir die Wohnung und auch das Bad mit unseren lieben Gastgebern. Für Hotelmenschen mag das vielleicht etwas befremdlich wirken sich mit fremden Menschen die private Wohnung oder das Bad zu teilen, aber ich finde das immer spannend und auch sehr lustig und immer abenteuerlich, und hatte bis jetzt nie schlechte Erfahrungen gemacht, selbstverständlich gehört viel Respekt dazu in die privatesten Räume anderer Menschen abzutauchen, aber für uns  unproblematisch und einfach, wenn man respektvoll miteinander umgeht. Patrizia empfiehlt uns ein afrikanisches Lokal, das sich die Straße runter befindet. Schon auf dem Hinweg war uns das kultige Ecklokal aufgefallen. Als wir dort ankommen werden wir von Paul und Rose freundlichst empfangen. Paul stammt aus dem Kongo und Rose aus Kenia, die seit 25 Jahren in Deutschland leben. Wir setzen uns gleich an die Theke, so wie sich das im Pott gehört und trinken zunächst ein genüßliches Bier, ein schönes Gespräch über Afrika entwickelt sich. Der Abend scheint lustig zu werden, wir bestellen das nächste Bier und genießen mittlerweile afrikanische Spezialitäten. Wir fühlen uns zuhause, im Hintergrund dudelt afrikanische Musik und unsere Laune steigt mit den Getränken. Links neben uns hat sich mittlerweile eine Punkband niedergelassen, rechts 3 Afrikaner, die Deutsch miteinander reden. Ich muss immer wieder schmunzeln. Als wir gezahlt haben komme ich zufällig mit der Afrikanerin neben mir ins Gespräch und rücke irgendwie etwas zum Nebentisch rüber. Es dauert nicht lange uns schon sitzen wir zu fünft am Tisch, Rose die Frau des Inhabers, Mimi aus Liberia, Paul der Chef, ein Freund aus Namibia, und wir zwei TrailPunkz. Und schon ist ein spaßiger afrikanischer Abend voll im Gange. Wir lachen, witzeln, trinken und wechseln immer wieder zwischen Englisch und Deutsch. Ich lerne immer wieder neue Dinge aus Afrika und muss festellen, dass Afrikaner teilweise deutscher sind als wir und sie sehr wohl deutlich gewisse deutsche Spießigkeiten und Tugenden an den Tag legen, je länger sie mit uns leben. Es ist haarsträubend lustig und ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr raus. Unsere afrikanischen Freunde lästern über Afrika was das Zeug hält und verfluchen alle afrikanischen faulen Säcke dieser Welt und loben die deutsche Pünktlichkeit und Arbeitsamkeit über den Klee. Innerlich kann ich mich kaum mehr halten, aber muss als mittlerweile einkommensarme Berufsweltreisende zugestehen, dass diese  3 es doch hier zu etwas gebracht haben mit Ihrer Einstellung. Ich bewundere diesen Mut und Mumm meiner neuen drei Freunde, da ihr Leben über die Jahre sicherlich nicht so einfach gewesen ist wie unseres und sie trotzdem doch immer noch so viel Offenheit und Lebensfreude an den Tag gelegt haben. Respekt und Ehrfurcht steigen in mir auf. 


Der Abend ist ein voller Kracher und der erste Tag der Reise nach Afrika ist heute definitiv gestartet, bzw. sind wir schon da, obwohl noch keinen einzigen km mit dem Landy auf afrikanische Grund gefahren. Auf dem Nachhauseweg denke ich noch sehr lange nach, die Welt ist einfach so verdammt klein, sie findet sich manchmal auch in einer schrulligen Eckkneipe mitten im Kiez in Duisburg Ruhrort zusammen, ich habe wieder so viel heute Abend erfahren dürfen, über die Welt da draußen, über Kulturen und Lebensweisen, die mir gänzlich unbekannt sind, und 5 Menschen sind wieder mal überein gekommen, dass wenn man uns alle nacheinander in einer OP aufschneiden würde, dass nur rotes Blut raus käme, obwohl wir weiß und schwarz sind....In jedem Fall, unsere Weltreise ist heute gestartet, obwohl wir noch nicht mal richtig losgefahren sind, aber sie startet immer im eigenen Kopf...stay tuned wirh us.

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